Berufsschüler aus der Südpfalz und Mittelböhmen finden mit Comenius-Projekt zusammen

Empfang im Schloss: Nach der Stadtführung durch Renate Becker (Bildmitte) Empfang von Stadtbürgermeister Harald Bratz und Verbandsbürgermeister Herrmann Bohrer (rechts).
Selten: Schachspiele am selbstgebauten Schachbrett, bzw. Schachbrett-Tisch, der einen kalkulierten Herstellungs- Wert von 1800 Euro hat.
Viel Engagement durch die deutsch-tschechischen Lehrer: von links nach rechts: Studiendirektor Reinhold Klein, Fachlehrer Helmut Neufeld, Ingenieur Collin, Fachlehrer Holztechnik Gerhard Hoff , Deutschlehrerin Klara Spacekowa und Schulleiter Oberstudiendirektor Helmut Schweder
Unterzeichnung der Absichtserkärung für eine dauerhafte langjährige Partnerschaft: Schulleiter Schweder von der BBS SÜW, Gerhard Herzog, ehemaliger Landesbeauftrager von Rheinland-Pfalz für die Anbahnung von Partnerschaften , und Dr. Jiri Slegl, Schulleiter der" Strdni odborna skola a Stredni uciliste" aus der mittelböhmischen Stadt Mlada Boleslaw

 

Die Jugend in Europa wächst weiter zusammen: Ein besonders schöner Mosaikstein in dieser Entwicklung ist ein anspruchsvolles deutsch-tschechisches Projekt der Berufsschulen in Mlada Boleslav in Tschechien/Mittelböhmen und der Berufsschule in Bad Bergzabern, das nun beendet wurde.
Sichtbares Zeichen der binationalen Zusammenarbeit sind sieben individuell geplante und gefertigte Schachtische aus Holz. Freundschaften sind entstanden, nicht nur bei der Arbeit, auch beim Kulturprogramm und der Gestaltung der Freizeit. Ein Stück gelebtes Europa, wie die Schulleiter bei der Abschlussveranstaltung betonten. Möglich gemacht wurde das Projekt mit einer Förderung von 32.000 Euro durch das Comenius-Programm der Europäischen Union.
Wie anspruchsvoll das Arbeitspensum für die insgesamt 20 Schüler aus den Abteilungen Holztechnik und Rechnungswesen und Controlling war, zeigte deren Präsentation vergangene Woche. Allein 56 Stunden Arbeit von jeweils zwei Schülern stecken in den Schachtischen, die zweisprachig auch über eine Internet-Plattform geplant werden mussten und für die sowohl die klassische handwerkliche Fertigung sowie die moderne CNC-Technik mittels Computerprogrammierung angewandt wurde. Zudem musste eine Kostenkalkulation für jeden der wirklich sehenswerten Tische erstellt werden. Ergebnis: Der teuerste Tisch kostet 1800 Euro. Ein Vermarktungskonzept für das deutsch-tschechische Qualitätsprodukt, die Dokumentation der Zusammenarbeit und die Planung der Abschlussfeier inklusive der Verköstigung der Gäste waren ebenfalls Aufgaben der Schüler.
Das Begleitprogramm des Schüleraustauschs bestand aus Besichtigungen von Firmen oder Sehenswürdigkeiten der jeweiligen Region und einem eintägigen Drechselkurs bei Drechslermeister Werner Havekost in Rhodt. Ein Höhepunkt war der Besuch des Europaparlaments in Straßburg mit einem Gespräch mit dem Vizepräsidenten Libor Roucek.
Bereits 2008 seien auf Initiative von Ministerpräsident Kurt Beck erste Kontakte zwischen den Schulen geknüpft worden, 2010 habe man sich dann auf den Inhalt des Projekts, das der damalige Regierungsbeauftragte Gerhard Herzog möglich gemacht habe, verständigt, so der Schulleiter der Berufsschule in Bad Bergzabern, Helmut Schweder. „Es ist ein großartiges europäisches Projekt”. Freude auch bei seinem Kollegen Jiri Slegl aus Mlada Boleslav. „Wir haben von Anfang an gut zusammengepasst, es ist ein gelungenen Projekt. Die Pfalz ist schön und wir sind froh, dass wir hier Freunde gefunden haben”, so Slegl. „Ich möchte diese Wochen nicht missen, wir sind zusammen gewachsen, alle haben hoch motiviert, zuverlässig und zielstrebig gearbeitet”, war das Lob des stellvertretenden Schulleiters Reinhold Klein.
Einen besonderen Applaus erhielt die tschechische Deutschlehrerin Klara Spackova für das unermüdliche Übersetzen während des gesamten Projekts in drei Sprachen. (pfn)

 

1. Besuch einer tschechische Delegation in Bad Bergzabern

Vizepräsident des Europaparlaments, Libor Roucek, (Mitte) mit der deutsch-tschechischen Delegation vor dem Parlamentsgebäude in Straßburg. Von links nach rechts: Ing. Vratislav Kozak, Deutschlehrerin Klara Spackova, Schulleiter Dr. Jiri Kolin, Studienrat Mathias Bader, Studienrätin Daniela Mindum und Oberstudienrat Christian Paulus. (Foto: Klein)
Tschechisch-Unterricht bei der Abteilung Holztechnik in der BBS Südliche Weinstraße, Standort Bad Bergzabern. Die junge tschechische Deutschlehrerin Klara Spackova vermittelt den Schreinern im Hinblick auf den Besuch in Tschechien Grundkenntnisse der tschechischen Sprache.
Schnappschuss vor dem EU-Parlament in Straßburg. Von links nach rechts: Daniela Mindum, Christian Paulus, Klara Spackova, Schulleiter Dr. Jiri Slegl, Reinhold Klein (Schulleitung BBS SÜW), Ing. Jiri Kolin und Ing. Vratislav Kozak.
Kurt Lechner, Midglied des Europäischen Parlaments mit der deutsch-tschechischen Delegation im EU-Parlament. Von links nach rechts: 1. Reihe: Reinhold Klein (Schulleitung BBS SÜW), MdEP Kurt Lechner, 2. Reihe: Oberstudienrat Christian Paulus, Studienrat Mathias Bader, Ing. Jiri Kolin, 3. Reihe: Studienrätin Daniela Mindum, Deutschlehrerin Klara Spackova, Schulleiter Dr. Jiri Slegl und Ing. Vratislaw Kozak (Foto. Kühn)

Etwa 80 Kilometer ist Prag entfernt: Von Mlada Bolesav, der Mittelstadt in Böhmen, wo die tschechische Partnerschule der BBS Südlichen Weinstraße ihren Sitz hat. Von dort kam eine Delegation von Lehrern  eine knappe Woche in die Südpfalz, um das gemeinsame EU-Projekt  im Rahmen der Comenius-Partnerschaften im Detail zu planen und alle Vorbereitungen zu treffen, damit im Jahr 2012 das gemeinsame technisch-kaufmännische EU-Projekt einen erfolgreichen Abschluss findet.

Das binationale Projekt der technischen Schule, der auch ein technisches Lyzeum angegliedert ist, und der BBS SÜW hat den amtlichen Titel:  Gestaltung, Planung und Bau eines Schachspieltisches und Erstellen eines entsprechenden Marketingkonzepts“. Von der  deutschen Seite  sind die Abteilung Holztechnik (Tischler-Azubis) und die höhere Berufsfachschule Rechnungswesen und Controlling eingebunden. Die Projektwerkstücke der Jugendlichen sollen unter dem Comenius-Programm „Lebenslanges Lernen“ in beruflichen Ausbildungsgängen gemeinsam entworfen, konstruiert, gebaut und dazu für beide Regionen – in Tschechien und Deutschland – ein Marketingkonzept entwickelt werden. Langfristiges Ziel ist es, die jungen Leute auf ein erfolgreiches Berufs- und Alltagsleben im vereinten Europa vorzubereiten und „fit zu machen“. Dabei wird eine langfristige Partnerschaft angestrebt. Das Programm und der Austausch der jungen Leute, der gegenseitige Besuch, das Miteinander- Arbeiten steigern die Mobilität für später und tragen dazu bei, dass die Fähigkeiten der Einzelnen für den persönlichen Alltag, für kulturelle Aktivitäten und das Erwerbsleben trainiert und gefördert werden, so Studiendirektor Reinhold Klein von der Schulleitung der BBS SÜW, der für das Projekt hauptverantwortlich ist.

Ein umfangreiches Arbeits- und Kulturprogramm, das im Vorgriff auf den Besuch der BBS-SÜW-Schüler im März 2011 und den Gegenbesuch der tschechischen Partnerschüler im Mai nächsten Jahres stand, umfasste neben professionellen Stadtführungen in Bad Bergzabern und Landau auch den Besuch des Europaparlaments in Straßburg, wo die Teilnehmer an einer Plenardebatte teilnahmen und  Gelegenheit hatten, sich mit dem Vizepräsidenten des EU-Parlaments, Libor Roucek, und Europa-Parlamentariern zu unterhalten. Von deutscher Seite aus konnte  der Europaabgeordnete Kurt Lechner aus Kaiserslautern die Abordnung von beiden Schulen begrüßen und für das Europaprojekt gutes Gelingen wünschen.(lpa)